Die Förderung von besonderen Begabungen, Exzellenz und Spitzenleistungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik ist ein integraler Bestandteil eines demokratischen und sozial verfassten Gemeinwesens. Nur eine Gesellschaft, welche es ihren vielversprechendsten Söhnen und Töchtern erlaubt, ihre Talente zum Nutzen aller bestmöglich zu entwickeln, kann es sich letztlich erlauben, auch dem Schwächsten solidarisch die Hand zu reichen.

 

Die Deutsche Studienförderung 

Das bereits seit der Gründung der Bundesrepublik bestehende System der ideellen und materiellen Förderung herausragender Studenten und Doktoranden nimmt in dieser Hinsicht eine europäische und internationale Vorbildfunktion ein. Im Zentrum stehen dabei die inzwischen dreizehn Begabtenförderungswerke, welche im Jahr 2016 annähernd 250 Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erhielten (1). Damit konnten 32867 Individuen gefördert werden.

Das BMBF schreibt dabei auf seiner Internetpräsenz, dass die „Begabtenförderungswerke die Vielfalt der deutschen Gesellschaft wider[spiegeln] (2). Sie bilden die verschiedenen weltanschaulichen, religiösen, politischen, wirtschafts- oder gewerkschaftsorientierten Strömungen in Deutschland ab.“ Dieses Ideal ist erfüllt von einem Vertrauen in die deutsche Zivilgesellschaft und ihre pluralistischen Akteure, welches dem Geist der Mütter und Väter des Grundgesetzes weit mehr entspricht, als es eine zentral verwaltete Stipendienvergabe je könnte. Doch kann das gegenwärtige System diesem hohen Anspruch genügen?

 

Ein humanistisches Begabtenförderungswerk

Unseres Erachtens nach ist dies nicht der Fall: Wir betrachten es als einen bedauerlichen und zunehmend aus der Zeit gefallenen Missstand, dass im Jahre 2018  - im Gegensatz zu den anderen großen Weltanschauungsgemeinschaften der Bundesrepublik - Humanistische Studierende in der Begabtenförderung systematisch benachteiligt werden. Für die Bundesarbeitsgemeinschaft Humanistischer Studierender ist die Einrichtung eines humanistischen Begabtenförderungswerkes aus diesem Grund ein zentrales Anliegen. 

Eine solche Institution würde für eine stetig wachsende demographischen Gruppe der deutschen Gesellschaft endlich einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung bedeuten. In unserem Artikel zur Notwendigkeit gehen wir darauf ein, welche Lücke ein solches Förderwerk im Konzert der bisherigen Studienförderung schließen würde.  Anschließend skizzieren wir die Vision eines humanistischen Begabtenförderwerk und wie es sich in die bestehenden Strukturen des organisierten Humanismus in Deutschland einfügen würde.  Dass schließlich unser Anliegen eine große Zahl prominenter Fürsprecher motivieren konnte, uns ihre Unterstützung auszusprechen, dokumentiert überdies die gesellschaftliche Relevanz eines humanistischen Begabtenförderwerks.